Samstag, 23. April 2016

Auch das Denken soll besteuert werden

Artikel von Theodosis Mpountourakis

Unsere „erleuchteten“ Regierenden haben sich entschieden, alles und jeden zu besteuern. Alles was kriecht, fliegt und schwimmt, wie der Volksmund zu sagen pflegt.

Und innerhalb dessen, was in jedem ernsthaften Staat besteuert wird - wie das Einkommen -, drangen sie wie ein Wirbelsturm ein und erhöhten die Steuersätze, die Steuervorschüsse und die Versicherungsbeiträge auf räuberische Art und Weise mit dem Resultat, die Arbeitnehmer auszurotten, die selbständig Erwerbenden zu vernichten und den kleinen und grossen Unternehmen den Garaus zu machen.

Monomanische Phantasie
Und nachdem sie die Einkommen aufgesogen hatten, wandten sie sich den Immobilien zu. Mit einer übermässigen und über das sich aus diesen ergebenden Einkommen hinaus gehenden Besteuerung des Immobilienbesitzes, was im Wesentlichen zu einer nach und nach sich ergebenden Beschlagnahmung führte. Danach wandten sie sich dem Handel zu und hoben die MWST explosionsartig an. Fahrzeuge, Benzin, Mobiltelefonie, bis hin zum TV-Abo, alles passiert das Bett des steuerlichen Prokrustes.

Der Steuersturm endet jedoch nicht hier. Jetzt beginnt die monomanische Phantasie der neostalinistischen Hirne zu arbeiten! Nachdem wir mit der Besteuerung der materiellen Dinge fertig sind, lasst uns zur platonischen Welt der Gedanken und des Wissens schreiten. So wird (letztendlich) die Kluft zwischen Marx und Platon überbrückt.

Wissen ist Macht
„Scientia est potentia“: Wissen ist Macht. Eine Phrase, die Francis Bacon, dem Patriarchen der englischen Philosophie, zugeschrieben wird. Da also das Wissen Macht ist, lassen wir uns das Wissen besteuern. Also Angriff auf die private mittlere Bildung und Krieg gegen die privaten Universitäten. Und wenn die Besteuerung nicht möglich ist, lasst sie uns schliessen.

Alles, was mit privater Bildung zu tun hat, muss besteuert oder nach unten auf das Niveau der öffentlichen Schulen gebracht werden. Und was kümmert es, dass das Recht der Bürger auf freie Wahl zwischen öffentlicher und privater Bildung, ein in jeder bürgerlichen Demokratie europäischen Typs unantastbar verankertes Recht, beschnitten wird.

Lasst uns das Internet besteuern!
Etwa so sieht heute eine moderne und verfeinerte Form der mittelalterlichen spanischen Inquisition aus. Damals brachte das Wissen Galiläus auf den Scheiterhaufen. Heute führt das Wissen zum Fiskus! Quelle des Wissens ist jedoch in der modernen Welt nicht nur das Bildungswesen. Gleichermassen ist es auch das Internet, die grösste kulturelle Erfindung des Menschen nach dem Rad!

Also lasst uns das Internet besteuern. Ich bekam wirklich einen Schock, als ich von diesem Vorschlag erfuhr. Internet-Steuer! Steuer auf den Informationen und das Wissen!

Nichts ist Zufall. Im Mittelalter und in den modernen totalitären Regimen wurden die „gefährlichen“ Bücher verbrannt. In der heutigen Zeit wird das Internet besteuert. Immerhin besser. In der Türkei und China wurde von der Regierung das Internet lahmgelegt, als es ihnen gefährlich erschien, und so kamen sie zur Ruhe. Sind sie weniger Demokraten?

Denken - des Menschen höchstes Gut
Es gibt aber noch etwas, was nach dem Wissen noch nicht besteuert wird. Das Denken!

Ich schlage nun vor, dass auch das Denken besteuert wird. Warum also sollte das Denken, welches die grösste Triebkraft darstellt - jedoch auch oft gefährlich für die Herrscher -, unversteuert bleiben. Praktisch könnte dies so aussehen:

Regional werden sich politische Ausschüsse zusammenfinden, welche die Bürger einmal im Monat einladen, damit diese detailliert über ihre Gedanken des letzten Monats Auskunft geben. Vorrang wird den in letzter Zeit aufmüpfig gewordenen Journalisten gegeben. Und wenn die Gedanken als verdächtig oder im Widerspruch zu den Statements des Regimes stehend befunden werden, wird der Bürger besteuert. Werden diese wiederum als mit dem parteilichen Evangelium in Einklang stehend beurteilt, wird der Bürger in den öffentlichen Dienst aufgenommen oder, sollte er es bereits sein, erhält er zusätzliche Bonuspunkte oder er wird von der angeblich alle drei Jahre erfolgenden - sei dies auch nur formellen - Beurteilung ausgenommen.

Also los Leute. Noch etwas Phantasie und noch einige Steuern mehr, und wir schaffen es, dass Orwell an die paradiesische Insel Utopia erinnert. Bis wir zum Albanien unter Enver Hodscha mutieren, haben wir noch ein Stückchen Weg vor uns. Aber auch das werden wir schaffen.

Theodosis Mpountourakis, Ökonom

Quelle: capital.gr

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