Kann die nächste Weltwirtschaftskrise vorhergesehen werden?



Rückblickend ist es einfach zu sagen, dass der Zusammenbruch vorhersehbar war. Es war „billiges“ Geld vorhanden. Die Schulden explodierten. Die Spekulation blühte. Die Kluft zwischen Reich und Arm vergrösserte sich. Die Sozialabgaben erhöhten sich. Das Finanzsystem war dermassen unter Druck, dass auch eine geringe Einschränkung der Kreditpolitik genügt hätte, um den Kreditnehmern die Rückzahlung ihrer Schulden unmöglich zu machen.

Probleme in der Antike
Bezieht sich oben Gesagtes auf die USA im Jahre 2007? Nein, es betrifft das Römische Reich während der Herrschaft Kaisers Tiberius 33 n.Chr. . Es war nicht die erste aufgezeichnete Wirtschaftskrise. Diese umstrittene „Unterscheidung“ gehört zu den Ländern der Delian Liga im antiken Griechenland, wo es nach einer Seeblokade durch Sparta eine Schwäche zur Rückzahlung ihrer Schulden gab. 

Jedoch würde ein Zeitreisender bemerkenswerte Ähnlichkeiten zwischen der Entwicklung der römischen Krise vor fast zwei Jahrtausenden und dem Absturz von 2007-09 sehen. Die Einladung zur Kreditaufnahme führte zu einer Kreditkrise. Die Schuldner sind gescheitert. Die Preise sind gesunken. Der Kaiser stellte sicher, dass die am höchsten Verschuldeten zinslose Darlehen für drei Jahre erhalten. Eine „schlechte“ Bank wurde gegründet. Tiberius finanzierte seine eigene Version der quantitativen Lockerung, nicht durch den Verkauf von Anleihen des Reiches, aber der Beschlagnahmung von Vermögenswerten der reichen Römer. 

All dies wird in einem exzellenten Buch von Bob Swarup mit dem Titel „Money Mania“ aufgezeigt, in welchem die Explosionen, die Panik und die wirtschaftlichen Abstürze der Epochen untersucht werden. Die Aussage ist, dass Nichts wirklich neu ist. Legen Sie die Menschen, die Kredite und die strukturelle Instabilität zusammen und Sie schaffen ideale Voraussetzungen für eine Krise. 

Die Notwendigkeit der Krisen
Das Buch Swarups‘ kommt zur rechten Zeit. In der letzten Woche gab es einen Puls in den Finanzmärkten, da die Investoren mit Vorsicht ein Auge auf gewisse Technologie-Aktien mit hohem Risiko geworfen haben. Ostern stellt traditionell den Beginn des britischen Immobilienmarktes dar, und dieses Jahr beginnt er mit hohen Verkäufen seit sechs Jahren und Preise von fast 10% über denjenigen vor einem Jahr. Der Appetit auf Risiko wurde durch die Nachfrage nach fünfjährigen Anleihen, die von der griechischen Regierung ausgegeben wurden, gesteigert. 

Zwangsläufig bezieht sich die Diskussion auf Finanzblasen, die bereit sind, zu platzen, ein neuer Spekulationswahn von Lektionen, aus denen wir nichts gelernt haben. Diese Diskussion ist etwas verfrüht, jedoch sind die Vorzeichen bereits da. Die Geschichte zeigt uns, dass bestimmte Voraussetzungen zum Entstehen einer Krise gegeben sein müssen. 

Die erste Voraussetzung ist, dass eine angemessen lange Zeit seit der letzten Krise vergangen sein muss. Wenn Finanzblasen platzen, wird eine arrogante Annäherung zum Risiko – fast augenblicklich – von einer Risikoaversion ersetzt. Es braucht Zeit, dass diejenigen, welche von den Verlusten betroffen waren, diese vergessen. In Grossbritannien z.B. platzte eine Immobilienblase zu Beginn der 70er Jahre, eine andere Ende 1980 und eine dritte zu Beginn und bis Mitte 2000. Ein Abstand von 15 Jahren ist die Regel. 

Die zweite Voraussetzung ist eine längere Phase starken Wachstums, in welcher am Ende die Menschen davon überzeugt werden, dass diese Zeiten anhalten. Somit entstand das Immobilienwachstum der 70er Jahre nach 25 Jahren starken Wachstums. Die Erhitzung des Marktes Ende 1980 entstand aus der Überzeugung, dass die Reformen Thatchers‘ alle Wirtschaftsprobleme beseitigt haben. Dass in den 2000er Jahren ein Zeitraum nachhaltigen Wachstums entstand, das mehr als 60 Quartale andauert. 

Ein dritter kritischer Faktor ist der Glaube derer, die die Fäden ziehen. Das Ralley in der Grossen Rezession von 2007-09 war der Höhepunkt der unabhängigen Zentralbanken, die sich mit ihrer Eigenschaft schmückten, ein konstantes nicht inflationäres Wachstum zu bieten. Es gab einige, wie Bill White von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, die vorwarnten, dass sich die Finanzblasen in Perioden niedriger Inflation entwickeln können, welche Warnungen jedoch nicht zur Kenntnis genommen wurden. Die Bürger glaubten, dass die Zentralbanken die vollständige Kontrolle hatten – ein Vertrauen, dass am Ziel vorbeischoss, wie sich herausstellte. 

Die Zentralbanken – unabhängig wie gescheit sie sind – können keine Krise abwenden. Die Gründung der unabhängigen Bank von Amsterdam im Jahr 1609 hat die „Tulpenmanie“* im Jahr 1630 nicht verhindert. Die Gründung der Bank von England im Jahr 1694 erfolgte ein Viertel Jahrhundert später nach der Finanzblase der Südsee. Der Absturz der Wall Street geschah 16 Jahre nach der Entstehung des Federal Reserve (FED). 

Gefährliche Amnesie                    
Geben Sie diese drei Zutaten zusammen und Sie erhalten das Rezept für eine Krise. Wie Swarup erwähnt, gefällt es den Menschen nicht, untätig zu verbleiben. „Das Wachstum ist ein starker psychologischer Auftrieb und wenn wir uns nicht auf irgendeine Weise in unserem Leben entwickeln, fühlen wir uns gefangen und elend“. So erlaubt uns eine aktuelle Periode des Wachstums und das Vertrauen in die Politiker, die Vergangenheit in die Zukunft zu extrapolieren, auch wenn dies bedeutet, dass wir unangenehme Tatsachen ignorieren. Aber es braucht mehr, um den perfekten Teller einer Finanzblase zu erhalten. Krisen entstehen nicht einfach, es sei denn, es gibt eine Fülle von Krediten, so dass Schulden entstehen und den Spekulanten erlaubt, immer mehr Wetten abzuschliessen. Wenn die Volkswirtschaften mit Schulden gesättigt sind, wie dies Mitte der 2000er Jahre der Fall war, ist es an der Zeit, uns auf das Schlimmste vorzubereiten. 

Dies ist sicherlich der Fall, wenn komplexe Finanzsysteme ein ernstes Problem haben. Niemand verstand das Netz der Banken, der Hedge Funds und der Schattenbanken, während Verhandlungsgespräche über den Austausch von Swaps und gesicherte Kreditverpflichtungen geführt wurden. Die Regler sicherlich nicht. Diese letzten beiden Zutaten sind von Bedeutung. Beim Fehlen von Krediten und eines funktionierenden Rahmens, entwickeln sich die Volkswirtschaften sehr langsam, wie dies in den 1000 Jahren nach dem Zusammenbruch des Römischen Reichs der Fall war. Aber die hohe Verschuldung zusammen mit der schlechten Verwaltung und die Regelung der Finanzsysteme führt über kurz oder lang zu Problemen. 

Die Tatsache, dass wir uns gegenwärtig der Finanzblase bewusst sind, zeigt, dass die geeigneten Bedingungen für eine Finanzblase noch nicht vorhanden sind. Es ist noch nicht genügend Zeit vergangen. Die Investoren sind in der Lage zwischen Technologieunternehmen, die keine Gewinne abwerfen und den Unternehmen der Realwirtschaft, die über keine Gewinnwachstums-Geschichte verfügen, zu differenzieren. 

In Grossbritannien – als Ganzes – sind die Häuserpreise noch nicht auf dem Höhepunkt als vor der Krise zurückgekehrt, obwohl dies in London bereits erfolgte. Die Regelung zieht weiter an, während die Politiker die Fehler der Vergangenheit zu vermeiden versuchen. Die Eurozone kommt gerade aus einer dreifachen Rezession und die nationale Produktion Grossbritanniens ist weiterhin niedriger als vor sechs Jahren. Es wird einen weitaus grösseren Zeitraum für den Beginn der Amnesie brauchen. 

Unter Bezugnahme auf all das, müssen wir aus zwei Gründen vorsichtig sein. Einer ist, dass die Zentralbanken die Politik für eine sehr lange Zeit zu locker belassen könnten. Dario Perkins von Lombard Street Research ist eine Analytiker, der davor warnt, dass wenn das FED die Politik der Entspannung wie vorgeschrieben belässt, könnte sie neue Finanzblasen entstehen lassen. Der zweite Grund ist, dass im Zeitalter von Twitter und Facebook, nur das „Jetzt“ wichtig ist. Wenn wir unsere Eigenschaft, uns zu erinnern, vergessen haben, könnte das Problem früher als erwartet eintreffen. 

Artikel: Larry Elliott, economics editor The Guardian


*“Tulpenmanie“: Eine Periode im Goldenen Zeitalter der Niederlande, in der Tulpenzwiebeln zum Spekulationsobjekt wurden. Die Tulpenmanie wird als die erste relativ gut dokumentierte Spekulationsblase der Wirtschaftsgeschichte angesehen und auch metaphorisch zur Charakterisierung anderer, anscheinend irrationaler und riskanter Finanzentwicklungen gebraucht.

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