Samstag, 30. Januar 2016

1 von 3 Haushalten verdienen weniger als 10'000 im Jahr

Laut einer Studie des IME GSEVEE (Zentraler Dachverband der Freiberufler, Gewerbetreibenden und Kaufleute in Griechenland) leben mehr als ein von drei Haushalten mit weniger als 10'000 Euro.

In einem Interview mit der Presse erklärt der Präsident, Giorgos Kavathas, des GSEVEE, dass die Erwartungen der Haushalte für das Jahr 2016 negativ sind, da 70% eine Verschlechterung und nur gerade mal 5,1% eine Verbesserung ihrer finanziellen Situation erwarten. Dies ergibt sich aus der Studie des Instituts für Kleinunternehmen des GSEVEE hinsichtlich der Einkommen und Ausgaben für das Jahr 2015.

Herr Kavathas selbst erwartet einen Anstieg der Unternehmensschliessungen sowie den Verlust von Arbeitsplätzen, da zahlreiche Klein- und Mittelunternehmen in den letzten Jahren stark geschrumpft sind, so dass ihnen kein anderer Ausweg als die Schliessung bleibt.

Gemäss den Angaben der Studie haben 94,2% nach dem Ausbruch der Krise erhebliche Einkommenseinbussen erfahren, mit einer klaren Tendenz zur Ausweitung des Ungleichgewichts auf über 1% der Bevölkerung. Tatsächlich wurde auch im Jahr 2015 eine Einkommenseinbusse von 77,9% der Haushalte vermerkt. Mehr als ein von drei Haushalten geben an, dass sie mit einem Familieneinkommen leben, das sich unter der unteren Einkommensstufe befindet (36,3% geben an, weniger als 10'000 Euro zu verdienen). Die Vermarmung der griechischen Gesellschaft setzte sich auch im Jahr 2015 fort, auch wenn mit schwächerem Rhythmus im Vergleich zu 2013 und 2014.

Ebenfalls ergibt sich aus der Studie, dass das Ungleichgewicht, dass sich während der gesamten Zeit der Krise entwickelt hat, auch im Jahr 2015 unverändert bleibt, während viele neue Regelungen des 3. Programms bereits die Familienbudgets und -einkommen belasten. Es geht hervor, dass 80% der griechischen Haushalte unter viel schlimmeren Umständen lebt (Einkommen und Lebensqualität) im Vergleich zur vergangenen Periode.

Wie Herr Kavathas ausführt: „Selbstverständlich verschlechtern die auferlegten Belastungen des 2. Memorandums sowie auch andere, welche mit dem neuen 3. Memorandum hinzugefügt wurden, die Prognosen der inländischen Nachfrage, des Konsums und des Niveaus des Lebensunterhalts.Tatsächlich führen Regelungen, wie die Aufhebung der Pfändungsaussetzung, die Erhöhung der Steuern und Abgaben, neue Versicherungszuschläge, zur weiteren Schrumpfung des potentiellen Verbrauchs“.

Besonders beunruhigend scheint die Feststellung der Studie, nach welcher die Renten für 51,8% der Haushalte das Haupteinkommen darstellen, wobei sich die entsprechende Zahl im Jahr 2012 noch auf 42,3% belief. Wird dies mit der Tatsache kombiniert, dass für 6,1% der Haushalte die Haupteinkommensquelle auf selbständiger Erwerbstätigkeit basiert (12,6% im Jahr 2012), ist die Schrumpfung der Unternehmenstätigkeit offensichtlich.

Das Problem der Überschuldung, Armut und sozialen Gefüges in Griechenland war Thema eines umfangreichen Dialogs anlässlich des Besuchs von Experten der Vereinten Nationen in Griechenland, führt das GSEVEE aus und erklärt ebenfalls, dass die Regierung in der nächsten Zeit angehalten sein wird, Massnahmen zu ergreifen, die zwischen dem Ziel der Haushaltsstabilität und der Notwendigkeit die sozialen Probleme anzugehen, ein Gleichgewicht schafft.

Daten der Studie:

EINKOMMEN - FINANZIELLE SITUATION DER HAUSHALTE

  1. Mehr als ein von drei Haushalten gibt ein jährliches Haushaltseinkommen, das sich unter der unteren Einkommensgrenze befindet, an (36,3% verdienen weniger als 10'000 Euro). Die Verarmung der griechischen Gesellschaft setzte sich auch im Jahr 2015 fort, auch wenn mit einem schwächeren Rhythmus im Vergleich zu 2013 und 2014.
  2. 15,2% der Haushalte gibt an, dass ihr Einkommen nicht ausreicht, um die grundlegenden Bedürfnisse zu decken. Ein Befund, der mit dem Anteil der extremen Armut des Landes übereinstimmt (dieser Anteil wird auf 40% des Durchschnittseinkommens geschätzt, ELSTAT). Es ist bezeichnend, dass im Falle einer unvorhergesehenen Auslage von 500 Euro 15,2% angeben, diese nicht bezahlen und 52,9% schwer decken könnten.
  3. Fast 2/3 der Haushalte (64,1%) geben an, dass sie zu Kürzungen gezwungen sind, um die notwendigsten Lebenshaltungskosten decken zu können, wobei mehr als die Hälfte der Haushalte (56,5%) die Bedürfnisse der Familie nach Nahrung nicht ausreichend befriedigen und das Bedürfnis nach Wärme nicht zufriedenstellend gewährleisten können (Index sozialer Ausgrenzung). Es soll angemerkt werden, dass die Ein- und Mehrpersonenhaushalte (mehr als 5 Personen) grössere Überlebensprobleme aufweisen.
  4. 94,2% der Haushalte weist einen erheblichen Einkommensrückgang nach Ausbruch der Krise auf mit einer klaren Ausweitungstendenz des Ungleichgewichts auf über 1% der Bevölkerung. Ein Einkommensrückgang wurde auch innert des Jahres 2015 für 77,9% der Haushalte festgestellt.
  5. Entmutigend scheint die Tatsache, dass die Erwartungen der Haushalte für das neue Jahr äusserst negativ sind, da 70% eine Verschlechterung ihrer finanziellen Situation erwartet (nur 5,1% erwartet eine Verbesserung). Tatsächlich ergibt sich dieses Gefühl des Widerspruchs und niedrigen Erwartungen auch aus der Tendenz, dass ein Teil der Haushalte angibt, auch mit einem niedrigeren Einkommen auskommen zu können. Dies wird mit den Projektionen der Haushalte bezüglich ihrer Möglichkeit, die laufenden und zukünftigen Verpflichtungen decken zu können, verbunden.

BESCHÄFTIGUNG - ARBEITSLOSIGKEIT

  1. 33,9% der Haushalte, also mehr als 1 Mio. Haushalte, haben mindestens eine arbeitslose Person in der Familie. Die Zahl der Langzeitarbeitslosigkeit erreicht 80% der gesamten Arbeitslosenzahl.
  2. Die Haushalte, welche ein Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit erzielen, erreicht gerade mal 6,1% (12,6% im Jahre 2012). Eine Tatsache, die den ernstzunehmenden Rückgang der Unternehmenstätigkeit widergibt. Dies ist wahrscheinlich auf die Erhöhung des oligopolen Marktes und die Konzentration der Anteile auf wenigere und stärkere Spieler des Marktes zurückzuführen. Entsprechend hält sich die beunruhigende Tatsache, gemäss welcher die Renten für 51,8% der Haushalte die Haupteinnahmequelle darstellt. Die entsprechende Anzahl im Jahr 2012 belief sich auf 42,3%.

FINANZIELLE VERPFLICHTUNGEN

  1. Ein von fünf Haushalte haben fällige Steuerforderungen, wobei sich nur 16,4% der Schuldner unter die 100-Ratenzahlungsregelung stellen konnten. 12,5% der Haushalte haben fällige Forderungen gegenüber den Banken.
  2. Für 42,8% der Haushalte sind die Erwartungen, ihre grundlegenden Verpflichtungen im nächsten Jahr decken zu können, negativ.
    Ein von zwei Haushalte stützen sich auf Renten, sind jedoch pessimistisch, ihren grundlegenden Verpflichtungen im laufenden Jahr nachkommen zu können.
  3. 29,2% glaubt, ihren steuerlichen Verpflichtungen nicht nachkommen zu können, wobei insbesondere 14,7% der Haushalte angibt, dass sie die Liegenschaftensteuer ENFIA nicht bezahlen kann.
  4. 33,7% rechnet damit, im kommenden Jahre ihre Darlehensverpflichtungen nicht decken zu können. Ein von vier Haushalte mit Wohneigentum haben eine Hypothek. 15,4% von diesen Schuldnern sind mit den Zahlungen in Verzug. Ein von vier (24,6%) der Haushalte äussern die Befürchtung, ihr Zuhause aufgrund der angehäuften Verpflichtungen als auch der Zusatzkosten (Darlehen, Steuern und andere) zu verlieren.
  5. Die überwältigende Mehrheit der Haushalte verbraucht finanzielle Mittel entweder aus Ersparnissen oder leiht sich Geld von Verwandten und Freunden, um ihre Verpflichtungen zu decken. Im Jahr 2015 wurde ein Rückgang um 6,2% der Abhebungen von Spareinlagen beobachtet, da es offensichtlich ist, dass die Ersparnisse der Haushalte kontinuierlich schwinden. Eine Tatsache, die sich negativ auf die Einlagebasis auswirkt.
  6. Es hat sich eine erhebliche Erhöhung im Gebrauch des Plastikgeldes zur Deckung der Haushaltsverpflichtungen abgezeichnet. Dies könnte die Folge des Rückgangs der Ersparnisse sein, aber auch der Verhängung von Kapitalrestriktionen. Der Einsatz von Kreditkarten ist von 15,8% im Jahr 2012 auf 31% im Jahr 2015 gestiegen.

KONSUM

  1. Der Rückgang der nationalen Nachfrage setzt sich fort, da sich für fast alle Produkte und Dienstleistungen eine negative Bilanz abzeichnet (Bekleidung, Geschenke, Vergnügen, Reisen, Haushaltsartikel, usw.).
  2. Negativ erscheint der Befund, dass die Haushalte das zweite Jahr in Folge ihre privaten Arzt- und Medikamentenausgaben erhöhten, dies offensichtlich aufgrund der Erhöhung ihrer privaten Beteiligung und der Senkung der öffentlichen Ausgaben im Gesundheitswesen. Eine positive Ausgabenbilanz zeigen zum ersten Mal die Auslagen für Erziehung und Rechnungen der DEKO (Öffentliche Unternehmen und Organisationen). Dieser Trend der Ausgabenerhöhung zur Absicherung sozialer Güter (Gesundheit, Erziehung, Rechnungen öffentlicher Abgaben) stellt einen potentiellen Bruch des sozialen Gefüges dar und sollte rückgängig gemacht werden.
  3. 70,1% der Haushalte gibt an, dass sie mit ernsten finanziellen Problemen konfrontiert sein werden, sollten sich die Nahrungsmittelpreise erhöhen. Es ist offensichtlich, dass die im letzten Halbjahr beschlossene Erhöhung der MWST auf vielen Konsumgütern und Nahrungsmitteln von 13 auf 23% die Situation der Haushalte verschlechtert hat.
  4. Im gesamten griechischen Staatsgebiet, kauften mindestens 120'000 Haushalte die notwendigen Lebenshaltungsprodukte in sozialen Lebensmittelgeschäften und/oder mittels der Lebensmittelkarte.

Diese Studie ist Teil der jährlichen regelmässigen Studien des IME GSEVEE (in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen MARC AE). Die Befragung wurde bei 1000 repräsentativen Haushalten im gesamten griechischen Staat in der Zeit vom Dezember 2015 durchgeführt. 


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