Freitag, 9. August 2013

Wegen eines "Fehlers" sind wir heute hier angelangt



Artikel von Agi Berouti


Ich hab’s!


Ich habe die Lösung für das Defizit und die staatlichen Schulden: Ich akzeptiere, von mir aus, ich persönlich, vom Staat angestellt zu werden, mit einem Gehalt von 7‘000‘000'700€ im Monat und der Bezahlung von 7 Mrd. Euro Steuern. Der Staat kann mich an der Quelle besteuern und es direkt vor der Auszahlung meines Netto-Gehalts einbehalten. Ich werde dieses Opfer bringen, das macht nichts…


Da die Ausgaben des griechischen Staates viel weniger sind, verbleiben 1 Mrd. Euro im Monat, ein anständiges Gehalt für Investitionen und die Expansion des Sozialstaates allein aus meinen Steuern. Das alles allein von meinen Steuern. 


Die übrigen Griechen brauchen nie mehr für irgendetwas Steuern bezahlen! Niemand! Ich allein werde den griechischen Staat auf meinen Schultern tragen! Der moderne Atlas!


Von meinen Steuern wird der Staat jährlich 84 Mrd. Euro einnehmen und Griechenland wird wieder reich! Ich bin sogar bereit, bis ins tiefe Alter für den Staat zu arbeiten. Ich gönne es Euch!


Natürlich könnt ihr nicht von mir verlangen, jeden Tag zur Arbeit zu gehen! Dank mir werdet ihr alle leben! Vielleicht werde ich eins bis zwei Mal im Monat bei der Dienststelle anrufen. Wenn ihr wollt, könnt ihr für mich auch einen Trainer bestimmen. Das stört mich gar nicht!
 

Was meine Anstellung angeht, will ich keinen Blödsinn über Diplome oder Nachdiplome und Prüfungen des ASEP hören und solch lächerlichen Dinge! Gebt mir einen 8-Monats-Vertrag und alles andere regle ich selber. 


Bis zum 52. Altersjahr werde ich für Euch arbeiten. Aber keine Angst, ich habe auch für nachher die Lösung. 


Ich gehe in Rente und werde bis 125 Jahre alt 7‘000‘000‘920€ im Monat an Rente erhalten. Schon wieder werde ich 7 Mrd. Euro an Steuern für den Staat bezahlen! Ihr werdet beten, dass ich nicht abkratze….


Von der Rentenpauschale, die 700 Mrd. und 150‘000 Mrd. Euro sein wird, bin ich bereit 700 Mrd. Euro an Steuern zu bezahlen! Griechenland wird mächtig werden, es wird die Nachbarländer kaufen können mit all diesen Steuergeldern aus meiner Rentenpauschale! 


Im Grunde genommen, habe ich die Rentenpauschale bereits durch die Gehaltsabzüge bezahlt!


Sollte ich denn abkratzen, habe ich für Euch wiederum eine Lösung! Ihr werdet meine Kinder beim Staat einstellen und ihnen das gleiche Gehalt wie mir bezahlen und mit der gleichen Besteuerung. Griechenland wird nur Dank mir mächtig! Für immer …


(Achtung: Oben genanntes hat nur humoristischen Charakter und keinen wirtschaftlichen Wert)

Mit dieser Begründung der ADEDI (Oberste Verwaltung der öffentlich Bediensteten), dass „die öffentlich Bediensteten die einzigen pflichtbewussten Steuerpflichtigen sind“ und dem Gedanken, dass „ohne die staatlichen Gehälter und der Renten die Wirtschaft Schiffbruch erleiden würde“, wird die Schaffung des „Perpetuum Mobile“ bewiesen! Dasjenige, nach welchem die Alchemisten bereits seit dem Mittelalter suchen. 


Selbstverständlich gilt nichts von oben Gesagtem im tatsächlichen Universum. Jeder Euro, der an Staatsgehälter und Beamtenruhegelder ausgegeben wird, wird von der produktiven Wirtschaft abgezogen. Vielleicht kehrt ein Teil davon an die produktive Wirtschaft zurück (solange nicht importierte Güter gekauft werden oder das Geld gespart wird). 


Für jeden Euro, den der Staat an jemanden bezahlt, der nicht prouktiv ist, arbeitet jemand anders und produziert ihn ohne dafür entlöhnt zu werden, es sei denn, der Staat druckt den Euro aus dem Nichts. 


Auch wenn er ihn von einem Fremden borgt, wird dieser Euro in Zukunft durch Arbeit aus der produktiven Wirtschaft bezahlt, die für jeden, der sie ausführt, unbezahlt bleiben wird. 


Der Staat hat 1‘873‘243 Personen über 65 Jahre alt und 2‘707‘727 Staatsrentner. Der Gesamtbetrag, den die produktive Wirtschaft an Beamtenruhegelder bezahlt, übersteigt 27 Mrd. Euro jährlich. Ein grosser Teil dieses Betrages geht an Personen, die durchaus arbeiten könnten, und viele davon, tun dies auch, schwarz. Wer kennt nicht einen 50jährigen oder sogar 40jährigen, der arbeitet, ohne dies zu deklarieren, so dass er die Rente unversehrt beibehalten kann, die er von den Geldern der übrigen Steuerpflichtigen erhält. 


Auf der anderen Seite beläuft sich die Höhe der staatlichen Gehälter für seine 620‘000 Angestellten (ok, des engeren staatlichen Betriebes, wenn sie so wollen) auf 18,6 Mrd. Euro jährlich. 


Alle obigen Staatsangestellten und -rentner und ihre von ihnen abhängigen Personen, belasten den Staat ebenfalls mit den Kosten der kostenlosen Gesundheitsvorsorge und -pflege, die ihnen von den Geldern der Arbeitnehmer der produktiven Wirtschaft zukommt.


Wir haben, glaube ich, das nicht Vorhandensein des Beitrages in die tatsächliche Wirtschaft der staatlichen Gehaltsbesteuerung und Beamtenruhegelder geklärt. Das ist der Rabatt, welchen der Staat an sich selbst erteilt, für seine Zahlung an Staatsgehälter und  Beamtenruhegelder.


Wenn wir annehmen, dass 46 Mrd. Euro von der produktiven Wirtschaft abgezogen werden, und 6 Mrd. Euro die Steuereinnahmen oben Erwähnter sind, so belaufen sich die tatsächlichen Kosten für den Steuerpflichtigen auf 40 Mrd. Euro im Jahr. 


Der Staat hat kein eigenes Geld. Es handelt sich um Geld der Steuerpflichtigen aus der produktiven Wirtschaft, welches er verteilt. Er nimmt es ihnen in Form von Steuern und verteilt es in Form von Gehältern und Beamtenruhegeldern. Vieles davon ist selbstverständlich gerecht verteilt, an Lehrer, Ärzte, Militärbedienstete, Polizisten, Regierungsbeamte usw. Das meiste davon wird jedoch ungerechterweise abgegeben. 


Alles beginnt aus einem „Fehler“. Die Katastrophe, die wir erleben und der Zusammenbruch der Wirtschaft durch die Überbesteuerung ist nichts anderes als das kleine „Fehlerchen“ des Jahres 2000, das einfach noch nicht korrigiert wurde. 


Dieses „Fehlerchen“ begann bei den damaligen Wahlen, als dem Staat die Gehälter 8,5 Mr. Euro kosteten und die Beamtenruhegelder 2,5 Mrd. Euro jährlich. Heute sind es entsprechend 18,6 Mrd. Euro und 6 Mrd. Euro, trotz der kürzlich vorgenommenen Kürzungen.

Der Fehler wurde als „Konvergenz zum europäischen Lebenshaltungsdurchschnitt“ bezeichnet.

Vielmehr war nicht das der Fehler, aber die Art der zweiten Regierungszeit Simitis‘ die „Konvergenz“ umzusetzen. 


Der „Fehler“ war die menschliche Illusion der dannzumaligen Regierung, dass die Konvergenz erreicht werden könne, ohne Erhöhung der wirtschaftlichen Tätigkeit in der produktiven Wirtschaft. Einzig und allein aus Darlehen aus dem Ausland, um nicht die Bürger direkt mit Steuern zu belästigen, dass sie die Staatsgehälter und Beamtenruhegelder erhöhen können, so dass „neues Geld in die Wirtschaft in Umlauf gebracht werden könne“ und so die Konvergenz erreicht werden könne. 


Das, was sie damals nicht verstanden haben, und was uns heute klar ist, weil wir dafür bezahlen, ist, dass es nicht möglich ist, den Reichtum des Landes zu erhöhen, ohne die produktive Wirtschaft zu steigern. 


Im Gegenteil wurden je mehr Personen wie möglich beim Staat angestellt, sogar unter dem Stage-Programm, das im übrigen Europa den Privatsektor betraf, und mit gleichzeitiger Erhöhung der Staatsgehälter auf eine derart dramatische Weise, so dass der Konsum an Luxusgüter senkrecht nach oben anstieg und mit diesem auch der Import und schliesslich das Defizit der Leistungsbilanz, die eine Kreditaufnahme aus dem Ausland zwingend notwendig machte. 


Das hat Griechenland zu den 60%+ des europäischen Durchschnitts geführt und mit der Fortsetzung der „Konvergenz“-Politik unter fünfjährigen Regierung Karamanli sind wir auf 75%+ gelangt. 


In der Umsetzung dieses Fehlers wurde der Art. 4 in der griechischen Verfassung aufgenommen: 


„ZWEITER TEIL

Persönliche und soziale Rechte

Artikel 4

1.       Die Griechen sind gleich vor dem Gesetz

2.       Die Griechen und Griechinnen habe gleiche Rechte und Pflichten. „


Mit anderen Worten, jemand der griechischer Staatsbeamter ist, der die gleiche Arbeit verrichtet, mit den gleichen Diplomen und derselben Erfahrung wie jemand aus der produktiven Wirtschaft, ist besser gestellt als der Zweitere. 


Im Jahre 2000 verdiente ein Hilfsbuchhalter in einem Buchhaltungsunternehmen 200‘000 Drachmen netto im Monat, entsprechend erhielt jemand mit den gleichen Qualifikationen und derselben Erfahrung im Staatsbetrieb 180‘000 Drachmen im Monat unter Miteinbezug der Unkündbarkeit, der leichteren Arbeit, des frühzeitigeren Ausstiegs aus dem Berufsleben. Mit anderen Worten erhielt derjenige in der Privatwirtschaft 587€ und der Staatsbeamte 528€.

Mit der „Konvergenz“ erreichte der im Privatsektor Angestellte 850€, wobei der Staatsbeamte in der gleichen Position 2‘500€ erhielt. Dies kann im Vergleich zum Jahre 2000 als Nettoertrag von 145% im Privatsektor übersetzt werden, wobei dieser Vergleich im Staatsbetrieb milde ausgedrückt 470% erreichte!  Die Beziehung hat sich heute vielleicht auf 750€ für 14 Monate für den Privaten und auf 1‘800€ für 12 Monate für den Staatsbeamten reduziert. 


Das gleiche ist mit den Renten geschehen, v.a. der ehemaligen Staatsbeamten und hier v.a. des DEKO (Öffentliche Unternehmen und Organisationen), dass er eine höhere Rente als sein ehemaliger Verdienst erhält!


Dies hat zu den enormen Defiziten im Budget geführt, die wiederum der Reihe nach zur massiven Fremdfinanzierung geführt haben, die die Schuld enorm aufblähten, was den Stillstand der Kreditgeber verursacht hat aufgrund der Unfähigkeit der Kreditrückzahlung, das wiederum brachte die Überbesteuerung durch die Kreditstoppe mit sich, so dass ein „Fehler“ entstand, der durchaus korrigiert werden kann und muss. 


Was verlangt die Korrektur des Fehlers? Aber vor allem die Anwendung des Artikels 4 der Verfassung?

  • Alle Griechen sind gleich. Dies bedeutet, dass wenn jemand eine Rente erhält und nicht das 65. Altersjahr erreicht hat - so wie dies die Angestellten im Privatsektor müssen - diese Rente bis zum Erreichen dieses Alters gestoppt wird. So wie dies in Deutschland getan wird. Das Recht zum Rentenerhalt beginnt mit 65, unabhängig davon, ob dieses mit 60 begründet wurde. Sollte die Person keine Verdienstmöglichkeit haben, wird ihm mit dem garantierten nationalen Einkommen geholfen. Wie allen anderen. 

  • Alle Griechen sind gleich. D.h. wenn jemand für die gleiche Arbeit mit denselben Qualifikationen im Privatsektor 750€ monatlich verdient, so muss auch der Staatsbeamte denselben Lohn erhalten, oder sogar etwas weniger, so dass dem geringeren Druck und dem Risiko der Entlassung Rechnung getragen werden kann. 
  • Alle Griechen sind gleich. Das bedeutet, dass die staatlichen Renten den privaten Renten entsprechen müssen. Sollten sie höher sein, müssen sie ausgeglichen werden, da die unangebrachten Gehaltsabzüge usw. im ersten Teil des Artikels analysiert wurden bezüglich Besteuerung und Gehaltsabzüge der Staatsbeamten.
  • Alle Griechen sind gleich. D.h. wenn jemand zusätzlich zu seinen Renten auch andere Einnahmequellen hat, muss die Rente entsprechend gekürzt werden, jedoch nicht in absoluten Zahlen, da die Rente in Griechenland nunmehr das Produkt der Umverteilung und nicht der Einsparungen sind. Die Kassen sind leer und die Renten werden durch die Einnahmenumverteilung mittels der Steuern bezahlt. Wenn jemand somit ein Einkommen von 1‘750€ Einkommen im Monat erzielt, kann er nicht zusätzlich 750€ im Monat aus produktiver Tätigkeit erhalten, währenddessen ein anderer (Nicht-Rentner) 511€ erhält. Einfach und gerecht. 


Auf der anderen Seite - mit der drastischen Senkung der Staatskosten auf gerechtere und realistischere Ebenen - muss entsprechend auch die übermässige Besteuerung gesenkt werden, so dass die produktive Wirtschaft angekurbelt und der Mindestlohn in der produktiven Wirtschaft auf 750€ im Monat erhöht werden kann, so dass der Arbeitnehmer einen minimalen anständigen Lebensstandard erreichen kann. Natürlich müssen die Preise der staatlichen Monopole wie Energie, Wasser, usw. nach unten angepasst werden, so dass die Kosten in die Gesellschaft zurückgeführt werden können, die mit der verfassungsrechtlich auferlegten Senkung der Staatsgehälter gesenkt werden. 


Wenn die Koalition diese Dinge tut, wird sie den Wohlstand fast direkt in dieses Land bringen.

Was immer Gegenteiliges sie tut, wird ihre endgültige Selbstverurteilung in den Papierkorb herbeiführen und das Aufkommen der politischen Extreme. 


Noch eine Steuer wird den politischen Selbstmord aller, die heute von der Koalition in der Regierung sind, garantieren, und wahrscheinlich wird dies die Abwesenheit ihrer Parteien an den nächsten Wahlen sichern. 


Ich glaube die Alternativen sind klar. 


Nichts weniger.





Quelle: capital.gr

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