Die Troika, der Drachme und der Euro (Teil II)



Der Begriff „Kapitalismus“ hat den Vorteil, dass er genauestens, d.h. in völliger Klarheit, das heutige Wirtschaftssystem beschreibt: Dessen Zweck die Platzierung, die Nutzung von Kapital zum Zweck seiner Erhöhung durch die Verwirklichung von Gewinnen ist. Es handelt sich also um ein Verfahren, das ein „exponentielles“ Wachstum produziert – während es andernfalls zusammenbricht. 

Der Kapitalismus wird nicht durch die tiefen Löhne „angetrieben“, wie dies von den heutigen Austeritäts-Politiken vertreten zu werden scheint – aber, im Gegenteil, von den immer höheren Löhnen. Der Hauptgrund liegt darin, dass nur wenn die Leistungen an die Erwerbstätigen „teuer“ sind, die technologischen Innovationen, welche die Produktivität geometrisch steigern und das Wachstum fördern, Sinn haben. 

Während der Dauer dieses Verfahrens jedoch wird eine schmerzliche „kreative Katastrophe“ verursacht – da die älteren und billigeren Arbeitsplätze „sterben“, welche durch die technologischen Innovationen zerstört werden und durch teurere, spezialisiertere und wenigere Arbeitsplätze ersetzt werden. 

Die Natur des Kapitalismus ist nun, was den Sektor „Arbeit“ angeht, die höhere Entlöhnung mit weniger Arbeitsplätzen und einer höheren Wertschöpfung – somit mit einem höheren Risiko und der Unsicherheit, dass Innovationen und Gewinne „produziert“ werden. Im Gegensatz dazu, stützt sich der „reine Sozialismus“ auf die Arbeit für alle, die Sicherheit und die traditionelle Struktur einer Wirtschaft – ohne grosses Risiko, aber mit sehr geringen Entlöhnungen. Alle dazwischen liegenden „grauen“ Schattierungen haben immer ein Ablaufdatum.“

Analyse
Im ersten Teil unseres Artikels schrieben wir, dass Griechenland keine Zukunft hat, solange es dem folgt, was ihm aufgedrängt wird – wobei es sehr schnell zusammenbricht, mit wenig Chancen seinen vorherigen Lebensstandard zu erreichen. Wir befanden auch die Erarbeitung eines griechischen Business Plans als absolut notwendig, welcher sich einzig und allein auf die Kräfte Griechenlands stützt – auf seine Bürger, auf seine wettbewerbsfähigen Vorteile, auf die Produktionsmittel und auf die ihr selbst zur Verfügung stehenden Geldmittel. 

Dies bedeutet natürlich nicht, dass es nicht die „Unterstützung“ seiner Partner in der Lösung seiner Wirtschaftsprobleme suchen soll – in der Form eines „Marshall-Plans“, eine Verlängerung zur Rückzahlung seiner Schulden mit einer zinsfreien Periode und einer Exportklausel, der Senkung des Zinssatzes seiner Kredite auf den Basissatz der EZB (0,25%), der Steigerung seiner Exporte in die Länder der EU usw., wie wir in der Vergangenheit viele Male analysiert haben. Dennoch muss es auf eine eventuelle Verneinung zur Hilfe durch seine Partner vorbereitet sein – für den Fall also, dass die etwaigen Verhandlungen nicht mit Erfolg „gekrönt“ sein werden, da diese einen eigenen Plan haben. 

Das Thema ist natürlich nicht nur die Erstellung des entsprechenden Plans, dessen Hauptelement die kurzfristige Finanzierung des Landes ist (einfach ausgedrückt, „was würden wir Morgen früh tun, wenn wir Troika verjagen würden“), aber auch welche politische Partei ihn umsetzen könnte – was sich sicherlich nicht aus den Programmen der diversen Parteien folgern lässt, die eher „Übungen auf dem Papier“ und gegenstandslose Theorien sind.

Weiter vertraten wir, dass die Linke absolut keinerlei Möglichkeit hat, Griechenland innerhalb der Eurozone zu retten – also den Euro als Landeswährung beizubehalten, ohne dass dies bedeutet, dass wir es als notwendig erachten (obwohl auch wir für den Euro sind, im Sinne des vereinigten Europas). 

Was die Koalition angeht, erwähnten wir, dass sie wahrscheinlich – was immer sie auch tut - scheitern wird, da sie unter dem Kriterium ihrer bis heute getroffenen Fehlentscheidungen und sich nachträglich zu einem Wechsel ihrer Grundsatzpositionen und Wahlversprechen entscheidend leider in die Enge getrieben worden ist. 

Unserer Meinung nach ist es sehr schwierig, dass sie Griechenland aus der Krise führt, wobei sie jedoch immer „diktatorischer“ wird, aber auch stetig „unterwürfiger“ gegenüber den Ausländern, im Versuch mit allen Mitteln ihre Macht zu behalten – u.a. damit gewisse ihrer Führungskräfte die Strafe umgehen, da die beiden sie ausmachende Parteien diejenigen sind, die hauptsächlich für den Bankrott unserer Heimat verantwortlich sind. 

Wir sind damit fortgefahren, dass Erfolgsaussichten innerhalb des Euros nur die rechten (liberalen) Parteien haben, angesichts der Umstände und nicht aufgrund ihrer besonderen Politik, da sie in der Lage sind, die Werkzeuge des freien Marktes zu nutzen – sofern sie natürlich richtig, mit den fähigsten und seriösesten Personen des Landes besetzt werden. Dies bedeutet nicht, dass der Euro eine Einbahnstrasse ist, sondern einzig und allein eine der – möglicherweise „bei weitem“ weniger schmerzhaften – bestehenden Optionen darstellt.
Eine notwendige Voraussetzung wäre natürlich, sowohl für die linke als auch für die rechte alternative Parteiwahl der Regierungsführung des Landes, das „Engagement“ aller Griechen an ihrer Seite. Dies erfordert jedoch ein äusserst begabtes Führungsteam, das in der Lage ist, nachweislich zu überzeugen – indem sie beispielhaft die politische Korruption bestraft (d.h. alle korrupten Politiker, die unser äusserst reiches Land in den Bankrott geführt haben) und gleichzeitig die direkte Demokratie anzunehmen.

Unsere Einführung abschliessend, die Annahme der direkten Demokratie, hauptsächlich mit der Abstimmung der Basisgesetze oder der zukünftigen Beschlüsse direkt durch die Bürger (wie beispielsweise der Abschluss des Kreditvertrages im Jahr 2010 nebst den Memoranden, die ihn voraussetzte) ist die einzige Art, dass sowohl Gesetze als auch die verschiedenen Massnahmen vom gesamten Volk unterstützt werden- in dem Sinn, dass es sehr viel leichter ist „hinter diesen zu stehen“, wenn es die Entscheidungen selbst gefasst hat. 

BANKEINLAGEN UND KREDITE
Um die Troika zu verjagen, müssen wir herausfinden, was genau wir am nächsten Tag machen und ebenfalls haben wir die Basis für das Wachstum zu erstellen, ohne diese es keinerlei Möglichkeit gibt, aus der Falle der Schulden zu entkommen. Wir erachten es als angebracht –aus makroökonomischer Sicht - eine kleine Ausführung zum Thema der Kredite anzubringen. Der Grund dafür ist, dass neue Kreditleistungen Liquidität schaffen, ohne diese die Bekämpfung der Rezession – und im weiteren Sinn des Ungeheuers der Arbeitslosigkeit - nicht möglich ist. 

Selbstverständlich betrifft dieser Prozess die Wirtschaft des freien Marktes, welche die hermaphroditische Linke nicht akzeptiert – aber auch die Marktwirtschaft akzeptiert die Linke nicht, eine Tatsache, auf die unser Argument, im Zusammenhang sie könne Griechenland nicht retten, hauptsächlich beruht, solange es in der Eurozone verbleibt. 

Vorab halten wir es für angebracht, daran zu erinnern, wie wir in vielen unserer Artikel analysiert haben, dass die Bankeinlagen, aus technischer Sicht, überhaupt in keinem Zusammenhang mit den Kreditgewährungen stehen, d.h. mit der Kreditleistung – da die Kredite gleichbedeutend sind mit der Schaffung „neuer Gelder aus dem Nichts“, wobei in der Eurozone eine Bank verpflichtet ist, für jede 100 €, die sie sich leiht, als Sicherheit gerade einmal 1 € bei der EZB zu haben. 

Fortfahrend in unserem Hauptthema, wenn die Banken so viel Geld verleihen würden, wie die Guthaben ihrer Sparer betragen, könnte aus makroökonomischer Gesamtsicht die Wirtschaft nicht wachsen, was sich in Griechenland kurz vor Ausbruch der Krise ereignet hat, als sich die Einlagen der Griechen in einer Grössenordnung von 240 Mrd. € bewegten und die Bankkredite auf einem etwas höheren Niveau lagen (Ende 2010 bewegten sich die Einlagen auf 208,9 Mrd. €, wobei die Kreditgewährungen bei 257,7 Mrd. € lagen – Quelle). 

Der Grund dafür ist, dass die Bankeinlagen im Wesentlichen ein Einkommen darstellen, das nicht ausgegeben, d.h. nicht im Markt konsumiert und die Nachfrage somit nicht erhöht wird. Der Verlust der Nachfrage also, die in einem Sektor der Wirtschaft die Nutzung der vorhandenen Produktionskapazität begrenzt, muss auf eine andere Weise ersetzt werden – aus dem Aspekt heraus, dass in einer Wirtschaft die Auslagen des einen, die Einnahmen des anderen darstellen. 

Wir sollten nicht vergessen, dass die auf einer Bank eingelegten Einkommen aus Arbeitsleistung stammen – d.h. von der Warenproduktion, für welche jedoch die Nachfrage um den Anteil der Einlage sinkt. Wenn also der Verlust nicht kompensiert wird, schränkt die durch die Einlagen reduzierte Nachfrage den Wachstumsrythmus ein, erhöht die Arbeitslosigkeit usw. 

Mit einem einfachen Beispiel: Es werden nicht 100 Kleider genäht, weil sie nicht verkauft werden können, aber 80 – folglich reduziert sich der Umsatz im Markt (somit das BIP) in der Höhe des Anteils der Einlage (Kosten der 20 Kleider), wobei denjenigen Arbeitnehmern gekündigt wird, welche die 20 Kleider nähten. Der Verlauf der Arbeitslosigkeit in Griechenland, trotz der Reduzierung der Löhne der Arbeitnehmer oder, besser, wegen der Reduzierung der Löhne, sowie auch der u.a. dadurch verursachten Einschränkung der Nachfrage, die Schrumpfung der Kredite, ist charakteristisch:

Wenn nun die Ersparnisse vollständig ersetzt werden mit Kreditleistungen, dann bleibt die Nachfrage unverändert – also werden dieselben Produkte prouduziert, dieselben Investitionen getätigt, wobei dieselben Arbeitsplätze gebraucht werden. Dies bedeutet jedoch, dass kein Wachstum geschaffen wird, keine neuen Investitionen getätigt werden und die Arbeitslosigkeit bewegt sich auf gleichem Niveau – da die Nachfrage konstant bleibt, weil der Verlust der ersparten Gelder „exakt“ mit Krediten in gleicher Höhe kompensiert worden ist.
Dies gilt selbstverständlich nur theoretisch, wenn die Banken Kredite analog der Einlagen gewähren – mit Zinsen, die höher als die auf die Ersparnisse gewährten sind. Auf diese Weise decken sie zumindest ihre Betriebskosten, ohne Verluste von den von ihnen gewährten Zinsen einzufahren – natürlich unter der Voraussetzung, dass die gewährten Kredite zurückbezahlt werden. 

Wenn die Banken jedoch die gewährten Kredite nicht zurückerhalten, weil einige Kunden insolvent werden, reduziert (verbrennt) im Wesentlichen der Betrag der sich im Umlauf befindlichen Gelder – und mit dem Resultat, dass der Konsum, die Nachfrage usw. sinkt, folglich schränkt sich der Wachstumsrhythmus ein.

Fazit, wenn die Banken nun nur die Einlagen der Sparer ausleihen, wäre – im besten Fall (wenn es keine „roten“ Kredite gäbe) – der Wachstums-Rhythmus der Wirtschaft gleich Null, im schlimmsten Fall wäre er um den Betrag der verlustigen Kredite negativ. 

Wenn wir nun verstehen, dass sich die Einlagen seitens des Nachfrage-Verlustes (unabhängig davon, dass 80 Mrd. € auf Auslandbanken liegen) der Griechen heute konstant auf dem Niveau von 240 Mrd. € befinden, während die Kreditgewährungen nunmehr die 220 Mrd. € - im Jahr 2010 waren es 260 Mrd. € - nicht übersteigen, hat die Differenz von 40 Mrd. € entsprechend die Nachfrage gesenkt – mit dem Ergebnis, dass sich aus dieser Optik der Fall des BIP von vormals 230 Mrd. € auf heute 190 Mrd. € erklären lässt (ungefähre Zahlen). 

Wenn wir jedoch die verlorenen Gelder aus den von den Banken gewährten Krediten abziehen, die irgendwann nicht mehr einfach als unsicher angesehen werden, werden wir feststellen, dass wir uns erst auf halbem Wege befinden, dass sich also die Rezession noch nicht in ihrem gesamten Umfang gezeigt hat. Dies wird bereits in Spanien beobachtet, dessen Banken dabei „erwischt“ wurden, bezüglich der ungewissen Kredite ihre Bilanzen zu verfälschen – mit dem Ziel, sehr viel geringere als die tatsächlichen Verluste zu präsentieren. 

DIE KREDITAUSWEITUNG
Laut den Monetaristen steigern die die Einlagen übersteigenden Kredite die nominale und nicht die reale Nachfrage – mit dem Resultat, dass die Produktpreise steigen und ein „inflationäres Wachstum“ verursacht wird, während das reale Wachstum wie gehabt bleibt. 

So etwas hätte geschehen können, wenn die produktive Dynamik einer Wirtschaft sich an ihren Grenzen befinden würde – so würden die Produkthersteller die Erhöhung der Preise bevorzugen, als neue Investitionen zu tätigen, zumindest bis bestätigt werden würde, dass die Nachfrage weiterhin steigt. 

In der heutigen Zeit jedoch, hat kein Unternehmen in keinem Land ihre produktive Dynamik ausgeschöpft – in den meisten Branchen herrscht genau das Gegenteil. Folglich wird die Industrie die Erhöhung des Angebots, als die Erhöhung der Preise bevorzugen.
Als Ergebnis dieses Verfahrens, d.h. die Erhöhung des Angebots, werden mehr Produkte hergestellt – also erhöht sich das BIP aufgrund der Nachfrage, die von dem Teil der Kredite geschaffen wird, welcher die Einlagen übersteigt. Die mittels der Kredite erhöhte Nachfrage funktioniert - was den Wachstums-Rhythmus anbelangt - positiv, so werden neue Arbeitsplätze geschaffen usw. 

Auch wenn jemand akzeptieren würde, dass die durch die Kredite verursachte Nachfrage als Ergebnis hätte, dass die Hersteller die Preise und nicht das Produktangebot erhöhen, wäre das Endergebnis nicht negativ, weil die erhöhten Preise normalerweise die Schwäche zur Deckung der grösseren Nachfrage bedeutet, so werden neue Investitionen getätigt mit positiven Folgen für die Wirtschaft. 

An dieser Stelle wird man sich der enormen Bedeutung des Finanzsektors bezüglich der realen Wirtschaft bewusst – mit der Definition, dass die grundsätzliche „Zuständigkeit“ der Banken die Kontrolle der von Privaten geplanten zukünftigen Investitionen ist. Selbstverständlich hinsichtlich ihrer Gewinne und Risiken, so dass sie über den richtigen Zeitpunkt der Kreditvergabe entscheiden, um so den Verlust ihrer Kredite und Zinsen zu minimieren. Der Verlauf der Investitionen in Griechenland in den letzten Jahren, wie in Tabelle I aufgezeigt, ist auf alle Fälle charakteristisch, wohin es gelenkt wurde: 

TABELLE Ι: Entwicklung der Investitionen in Griechenland

Έτη
2007
2008
2009
2010
2011
2012







Investitionen
26,72
24,01
18,57
17,54
16,11
13,59
Quelle: Weltbank
Tabelle: V. Viliardos

Bezüglich der Konsumenten, auch wenn wir der Ansicht sind, niemand sollte sich aus Konsum- aber nur aus Investitionsründen Geld leihen, sind die Banken zur Kontrolle verpflichtet, ob der Schuldner die Möglichkeit zur Rückzahlung des von ihm verlangten Kreditbetrages hat. Offensichtlich bewerten die Banken in Zeiten der Rezession und Deflation – wie heute in Griechenland – die Kreditnehmer negativ, schränken ihre Kredite ständig ein und verschlimmern die Aussichten des Landes. 

Abschliessend, wenn die Banken ihre Arbeit richtig machen, gehen keine Beträge unverhältnismässig verloren, werden richtige Investitionen getätigt, die Nachfrage erhöht, die Arbeitslosigkeit reduziert und das Wachstum gesichert – also erfüllen die vom Nichts entstanden und die Einlagen übersteigenden Gelder auf die bestmögliche Weise ihre Rolle: Die Erhöhung des Lebensstandards des gesamten Landes. 

Dies geschieht offensichtlich nicht mit den vom Nichts geschaffenen und ins Nichts gehenden Geldern, wie aus den in den Börsenblasen unverantwortlichen gewinnorientierten Investitionen der Banken festgestellt werden kann. 

DAS RECHTE SZENARIO
Es ist offensichtlich, dass eine Regierung, die an die Stärken des freien Marktes glaubt, genügend Mögilchkeiten, um den Problemen ihres Landes zu begegnen, zu ihrer Verfügung hat – vorausgesetzt, sie gewinnt das Vertrauen der Märkte, die sie – wie im oben erwähnten Beispiel mit den Banken – unterstützen werden und sofern sie davon überzeugt werden, dass sie ihr Geld zurückerhalten. 

Wenn aber die internationalen Märkte, Kapitaleigner und - besser - Sparer, überzeugt sind, dass die Regierung überhaupt nicht die Absicht hat, freiwillig ihren neuen und wie heute im Fall Griechenlands alten Verpflichtungen nachzukommen, besteht keine Hoffnung, dass sie diese unterstützen werden. Erst recht nicht, wenn sie feststellen, dass sie Zwangsprgrogramme annimmt – „lustlos“ oder auf gewisse Weise „unfreiwillig“ sowie ebenfalls die auschnittswise Umsetzung keinerlei Zweifel in Zusammenhang mit ihren Absichten und Möglichkeiten offenlässt. 

Wenn jedoch die Märkte Griechenland nicht unterstützen, dann ist es unmöglich aus den Klauen der Troika zu entkommen – aber sie wird um ein Vielfaches ihre Schulden in Sachwerten zurückbezahlen, da sie es nicht mit Geld tun will. Einfacher gesagt, die Troika wird sowohl das öffentliche als auch das private Vermögen der Griechen buchstäblich plündern, während Griechenland mit Beträgen verschuldet bleiben wird, welche sie praktisch schon längst zurückbezahlt hat. 

Beispielsweise wird der grösste Teil des öffentlichen Vermögens „veräussert“ und im Verhältnis zu seinem wirklichen Wert einen minimalen Betrag einbringen – also bleibt das Land weiterhin „in der Kreide“. Das gleiche wird mit dem privaten Vermögen geschehen, das praktisch mittels der enormen Steuern und „Abzocken“ gepfändet wird und entweder den Steuerbehörden und von dort den Gläubigern oder mittels der Banken und Verbriefung der gepfändeten Vermögenswerte (Liegenschaften) direkt den Gläubigern zugeführt werden wird.
Die einzige Lösung nun, die einer liberalen Regierung zur Verfügung steht (der Begriff „liberal“ steht in keinem Zusammenhang mit Neoliberalismus), ist ihre Schulden zu tilgen, mit ihren eigenen Stärken und ihrem eigenen Plan, wobei sie die Troika sofort verjagen kann, wenn sie aufhört, sich Geld von der Troika zu leihen und nachweist, dass sie ihre fällig werdenden vorhandenen Verpflichtungen decken kann. 

Griechenland kann es offensichtlich auch schaffen, sofern es eine fähige Regierung erhält, die in der Lage ist, das Vertrauen der Märkte zu gewinnen – mit der ersten Verpflichtung das Haushaltsbudget auszugleichen, indem sie aufhört Defizite (Verluste) zu schaffen. Insbesondere, 


a)      dass eine solche Regierung ihren kurzfristigen Verpflichtungen nachkommt, so dass sie nicht mehr auf die Troika angewiesen ist – z.B. könnte sie. „nationale Anleihen“ herausgeben, die durch öffentliches Vermögen gesichert sind, indem sie diese den Banken verkaufen, welche diese wiederum – da es sich um gesicherte Anleihen handelt – „günstig“ mittels der EZB finanzieren können.

Nationale Anleihen mit Inflationsklausel nach dem Beispiel Italien könnten auch von griechischen Einlegern gekauft werden, auch von denjenigen, die ihre Einlagen ins Ausland transferiert haben, sofern sie davon überzeugt werden, dass Griechenland überlebt. Besonders, wenn unter der Voraussetzung der Platzierung in „patriotische Anleihen“ keine Steuern auf das vom Ausland importierte Geld verlangt wird und keine „Sanktionen“ verhängt werden.

b)      muss weiter die finanzielle Stützung des Staates nicht durch den Verkauf von Vermögenswerten erzielt werden, wie z.B. derjenigen, die sie dem TAIPED (Kasse für Verwertung privaten Vermögens des Staates) übertragen hat – weil der Börsengang dieser Organisation, nachdem jedoch vorher alles getan werden muss, damit er den ihm zukommenden Wert erhält, viel bessere Resultate erzielen könnte.

Auf der anderen Seite müsste die Regierung alle Vorteile nutzen, welche ihr die Schaffung von Geldern aus dem Nichts seitens ihrer Handelsbanken bietet - so wie vorstehend analysiert und mit dem Ziel der Erhöhung der Liquidität auf dem Markt, für welche es von niemanden die Zustimmung und Vereinbarung braucht. Und zwar erst recht, wenn unsere Heimat in die Deflation (-2%)  gesunken ist, zu deren Bekämpfung „inflationäre“ Massnahmen erforderlich sind – wie die Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit der Gelder (Analyse) und die Beschäftigung der Arbeitslosen vom Staat, gemäss der „Taktik“ von Keynes.
 
Damit jedoch die Regierung die konkrete Konzeption unterstützten kann, müsste sie eine staatliche Investitionsbank gründen und mit Vermögenswerten des Staates ausstatten – so dass Kredite an die reale Wirtschaft vergeben werden könnten, mittels Schaffung von Geldern aus dem Nichts (offensichtlich braucht es keine parallele Währung, da von den Banken neue Gelder geschaffen werden können), zur „Aufheizung“ der Investitionen und der Nachfrage. Die Tabelle II zeigt ein Bild unseres Landes:
 
TABELLE II: Entwicklung der Kredite an Private, der Unsicherheiten und der Geldmenge

Jahr
Kredite
Unsicherheiten
Geldmenge (Μ2)




2002
56,47
5,5
-1,45
2003
59,21
7,0
2,04
2004
64,56
7,0
9,78
2005
73,19
6,3
15,00
2006
79,08
5,4
9,82
2007
86,25
4,5
12,87
2008
94,14
5,0
15,66
2009
95,85
7,7
5,09
2010
105,92
10,4
-10,01
2011
120,07
14,4
-14,93
2012

17,2
-4,96
Quelle: Weltbank
Tabelle: V. Viliardos


Bemerkung: Die Erhöhung der Kredite beruht auf der Nicht-Rückzahlung alter Kredite
In der Tabelle II ist deutlich der rasante Rückgang der Geldmenge in Griechenland seit 2010 in Verbindung mit dem Zusammenbruch der Umlaufgeschwindigkeit zu sehen (eventuell befindet sich M2 in einer Grössenordnung von 2).  

Eventuell schulden wir hier anzumerken, dass in einer Währungsunion nur die Überschusswirtschaften theoretisch „Basisgeld“ drucken können, in dem Sinne, dass das neue Geld ein neues (grösseres) BIP vertreten muss. Im Gegensatz dazu, sind defizitäre Wirtschaften wie Griechenland verpflichtet, das vorhandene Geld in der Höhe des sinkenden (verbrennenden) BIP zu „verbrennen“ – eine Tatsache, die ihr Problem multipliziert.

In unserem Thema fortfahrend, könnte die staatliche Investitionsbank (analog der Form der deutschen Förderbank KfW) an die Börse gehen, um ihre Finanzierungsmöglichkeiten zu erhöhen, sowie die „verbrieften Liegenschaften“ selber kaufen, welche die Handelsbanken wahrscheinlich billig ins Ausland verkaufen werden wollen, nachdem sie Massenpfändungen der Liegenschaften der Griechen durchgeführt haben.

c)       Schliesslich gibt es viele Möglichkeiten zur langfristigen Finanzierung unserer Heimat – wie z.B. die „Verbriefung“ ihrer Bodenschätze, die Eintreibung der Kriegsreparationen von Deutschland und diversen anderen.

Ohne auf weitere Details einzugehen, wenn eine Regierung die Griechen von ihren ernsten Absichten und ihren Fähigkeiten überzeugen kann und ihnen so zu verstehen gibt, dass es besser ist, wenn sie selbst ihrem Staat, auch verbunden mit einem etwaigen Risiko einen Teil ihres Kredites zu verlieren, Geld leihen, anstelle dass sie dasselbe Geld mittels Steuern und „Abzocken“ wegnimmt, dann wird sie es schaffen, Griechenland aus der Krise zu führen.


Wenn z.B. die Griechen Anleihen im Wert von 3 Mrd. € - geschätzte Einnahmen aus der neuen Liegenschaftensteuer – kaufen würden, dann gäbe es keinen Grund, dass sie mit Steuern belastet werden – jedoch hätten sie Hoffnung, einen Teil ihrer Gelder in Zukunft zurückzuerhalten. 

Abschliessend, eine fähige liberale Regierung eines steinreichen Landes mit Liquiditätsproblemen wie Griechenland, kann - unter der Voraussetzung, dass sie die Regeln des Marktes kennt und die Fähigkeit hat, diese zu nutzen – sehr viel erreichen. Es genügt, dass sie einen Plan hat und die Fähigkeit nachweislich zu überzeugen. 

Eines ihrer Prioritäten wäre zweifelsohne die Tilgung der öffentlichen Verpflichtungen gegenüber dem privaten Sektor, welche unmittelbar entweder durch die Bezahlung mittels Anleihen, oder „Steuergutschriften“ – wo die Unternehmen die Möglichkeit hätten, ihre vorhandenen oder zukünftigen Steuerverpflichtungen mittels der konkreten Gutschriften zu tilgen - getätigt werden könnte.

DAS LINKE SZENARIO
Es ist offensichtlich, dass zum Zeitpunkt der Wahl einer rein linken Partei in Griechenland, ein Massen-Kapitalabfluss folgen würde – sowohl von den Griechen selbst, als auch von den Ausländern. Dieser Ausgang wäre von einem Banken Run begleitet, der enorme Probleme im Finanzierungssystem des Landes hervorrufen würde – wobei Bankrotte sowie auch das darauffolgenden Chaos nicht ausgeschlossen werden können. 

Die Investoren würden sich zwar einerseits zunächst präventiverweise zurückziehen in der Annahme, dass Beschränkungen im freien Kapitalverkehr auferlegt werden würden und andererseits, weil sie befürchten würden, Geld zu verlieren. Der Grund ist u.a., dass die Finanzpolitik einer solchen Regierung im Arbeitssektor, in den Sozialleistungen etc. keine Überschusse produziert, von welchen die Zinsen und Raten der Kapitalkredite bezahlt werden können – wobei jedoch, zumindest kurzfristig, die Gewinne der Unternehmen minimiert werden, womit der Zusammenbruch der Börse provoziert wird.

Weiter ist es gut möglich, dass die Eurozone aufhören würde, die Banken zu unterstützen – womit das Land seine eigene Währung annehmen, die Abkommen der Eurozone verletzen und aufhören würde, ein Mitglied dieser zu sein. Folglich ist es utopisch, dass eine rein liberale Regierung glaubt, sie könne regieren, wenn sie in der Eurozone verbleibt.
Auch wenn dies alles nicht passieren würde, würde die einseitige – wie von der „Linken“ versprochene - Verletzung der Kreditvereinbarung und der Memoranden (nur schon die Aufhebung der Memoranden ist offensichtlich unmöglich) Europa und die EZB zur Einstellung der Versorgung der Banken mit Liquidität führen und ebenfalls zur „Aussetzung“ der Raten der genehmigten Kredite – so wäre Griechenland de facto gezwungen, Zahlungsunfähigkeit anzumelden, bankrott zu gehen, ihre nationale Währung anzunehmen und aus der Eurozone geführt zu werden. 

In diesem Fall würden die primären Überschüsse – auch wenn sie real wären – im Nu zu kontinuierlich steigenden Defiziten umgewandelt, da zusammen mit den Banken auch die Wirtschaft zusammenbrechen würde, so würde der grösste Teil der Staatseinnahmen der Vergangenheit angehören. 

Griechenland wäre wiederum glücklich, wenn nicht das absolute Chaos herrschen würde, mit allem was diesem folgt (vollständige Lähmung des Wirtschaftslebens, senkrechte Steigerung der Kriminalität, Geschäftsplünderungen etc.). 

Der einzige Weg also, dass die Linke regieren kann, ist die – nach einer Verhandlung - kontrollierte Annahme der nationalen Währung mit der Hilfe und Zustimmung der Eurozone, so dass: 


a)      entweder ein grosser Teil der Staatsschulden abgeschrieben werden – in der Höhe von 220 Mrd. €, so dass die Schulden gegenüber dem BIP von 50% betragen,

b)      oder die gesamte (öffentliche und private) Auslandschuld Griechenlands in die neue Drachmen umgewandelt wird, mit der richtigen Parität – gleichzeitig mit dessen Verlängerung der Zahlungsfrist, mit Null Zinsen, „Export-Klauseln“ usw. Wenn parallel dazu auch das „drachmische“ Bankensystem für ein Jahr durch die EZB unterstützt werden würde, so dass die anfänglichen „Erschütterungen“ gedämpft werden könnten, wäre dies äusserst positiv.

Die Verhandlung scheint theoretisch möglich, da die unkontrollierte Situation nicht im Interesse der Eurozone liegt – wobei sie nicht darauf bestehen würde, dass Griechenland weiterhin als Mitglied verbleibt. Das Problem konzentriert sich natürlich darauf, dass die Verhandlung vor dem Aufstieg der Linken an die Macht vollzogen werden müsste – ansonsten die in den ersten Tagen entstehenden Schäden sehr ernst wären, geschweige denn, wenn gleich nach den Wahlen die verlangte Schliessung der Banken (Bank Holidays), die Begrenzung der Abhebungen usw. unmöglich ist. 

Weiter müsste die Annahme der nationalen Währung mit vielen anderen Schritten begleitet werden – u.a. der Verstaatlichung der Banken, inkl. der Bank von Griechenland, die Beschränkung der Abhebungen sowie ebenfalls der freien Kapitalbewegung, die Schaffung von Devisenreserven, die Suche nach neuen Verbündeten und Exportmärkten, die Bemühungen zur Versorgung der griechischen Wirtschaft, die Einführung von Zöllen zur „Subvention“ der heimischen Industrie (wobei dies nicht mit der EU vereinbar ist), die Emmission von Anleihen an griechische Anleger usw. 

All dies – auch wenn in ihrer Erzielung möglich – benötigen offensichtlich das Vorhandensein von fähigen Führungskräften sowohl in der Regierung als auch in den Schlüsselpositionen der Wirtschaft. Vielmehr in der Zentralbank, da die Einführung der Drachme sowie auch die Wiederherstellung der Währungshoheit nicht einfach ohne grosse „Schwankungen“, u.a. die rasante Abwertung der Währung, der Mangel an Grundgütern (Medikamente, Energie) und dem grossen Inflationsdruck, einzuführen ist.

In jedem Fall jedoch, nach einer sehr schmerzhaften ersten Phase, wenn die Annahme der nationalen Währung richtig eingeführt und kontrolliert werden würde, könnte Griechenland der Zukunft wieder mit Hoffnung entgegen sehen – ein Tatsache, die nicht möglich sein wird, solange die Troika mit der Anwendung ihrer kriminellen Politik  in unserer Heimat verbleibt.

EPILOG
Das Schlimmste,was Griechenland passieren könnte, wäre nicht sein Bankrott, der Zahlungsstopp oder sein Ausscheiden aus dem Euro, jedoch der noch längere Verbleib Troikas – mit der für unsere Wirtschaft kriminelle Anwendung ihrer Austeritäts-Politik in Kombination mit der Erhöhung der Kopfsteuern: „Massnahmen“, die uns ohnehin zum Ausscheiden aus dem Euro und in den Bankrott führen. 

Leider hat die heutige Regierung den gesellschaftlichen Pakt mit dem Volk „gebrochen“, indem sie ihre Macht missbraucht hat – da sie nicht einmal im geringsten ihre Wahlversprechen eingehalten hat, von welchen die wichtigsten die Bestrafung der korrupten Politiker, als auch die rationale Wiederverhandlung mit den Kreditgebern war, so dass ein tragfähiges Memorandum unterschrieben werde hätte können. 

Das nunmehr schmerzhafte Resultat des Bruchs eines „gesellschaftlichen Pakts“ ist für gewöhnlich der „Verlust des Respekts“ gegenüber der Macht und den Gesetzen – eine Tatsache, die früher oder später zur Deregulierung des Systems, den Zusammenbruch, in das Chaos und die Anarchie führt. 


Der Bedarf ist nunmehr dringend, dass die Regierung entweder schnell und radikal ihre Finanzpolitik ändert und die Troika aus unserer Heimat verjagt, oder zurücktritt und so einer anderen Regierung erlaubt – unabhängig ob liberal oder sozialistisch –, einen neuen Sozialpakt mit dem Volk zu schliessen, bevor das Land in Chaos und Anarchie versinkt.


Jedoch sind wir der Ansicht, dass die alternative zum Chaos, die Unterwerfung unter die Troika, die nunmehr vom preussischen Deutschland und nicht den USA geführt wird, von keinem Griechen gewünscht wird, wir glauben, dass jede ungenutzt verlaufende Zeit kostbar ist – nachdem der Vulkan „brodelt“ und plötzlich und unkontrolliert zu explodieren droht. 


** Herr Vasilis Viliardos ist ein moderner Ökonom, Absolvent der Universität Athen, mit postgradualem Studium an der Universität in Hamburg – wo er auch mit eigenen Unternehmen über viele Jahre tätig war. 

Er hat das sich auf den Steuermechanismus Deutschlands beziehende Buch „Machtüberschreitung“ geschrieben und drei Bücher bezüglich der weltweiten Finanzkrise mit dem Titel „Die Krise der Krisen“ herausgegeben. Ebenfalls hat er sich auf internationalem Niveau mit signifikanten Untersuchungen und Analysen bezüglich seines Fachs (Makroökonomie) befasst, die regelmässig in Tageszeitungen, Zeitschriften und auf Webseiten publiziert werden.

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