Am Rande des finanziellen Zusammenbruchs der grösste Teil der griechischen Haushalte



Am Rande des finanziellen Zusammenbruchs befindet sich ein grosser Teil der griechischen Haushalte. Dies die Schlussfolgerung der regelmässig durchgeführten jährlichen Studie des IME GSEVEE (Zentraler Dachverband der Freiberufler, Gewerbetreibenden und Kaufleute in Griechenland) in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen MARC A.E.: 


Diese Studie ist Teil der regelmässigen jährlichen Erhebungen des GSEVEE (in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen MARC A.E.). Sie wurde bei 1201 repräsentativen Haushalten im gesamten griechischen Staatsgebiet im Zeitraum Dezember 2013 durchgeführt. Ziel der Studie, die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf das Einkommen, die Ausgaben der Haushalte und die Nachfrage sowie die Erhebung bezüglich der Haltung der Haushalte zur Lebensqualität und zu den steuerlichen und anderen finanziellen Verpflichtungen.


DETAILLIERTE DATEN DER STUDIE


VERLAUF DER HAUSHALTSEINKOMMEN (Punkt 1 bis 5)

  • 94,6% der Haushalte hatten erhebliche Einkommens-Einbussen nach dem Ausbruch der Krise (Bild 1). Die durchschnittliche Reduktion des Haushaltseinkommens im Vergleich mit vor drei Jahren beläuft sich auf 39,5%. Die überwältigende Mehrheit der Haushalte, welche der Einkommenskategorie von 10‘000 bis 25‘000 Euro angehört (96-97%), zeigt Einkommensreduktionen auf. Besonders gefährdet sind mehrköpfige Familien und Familien mit mindestens einem Arbeitslosen. Die Region Attika scheint mehr als die meisten darunter zu leiden (verzeichnet eine Einkommensreduktion von 95,7% der Bevölkerung).
Bild 1 – Familieneinkommen nach Ausbruch der Krise 


94,6% ist gesunken

5,0% keine Veränderungen

0,3% hat sich erhöht

0,1% keine Antwort

  • Im Vergleich zum Jahr 2012 erklärt 82,4% der Bevölkerung eine Reduktion innerhalb des Jahres 2013. Eine Tatsache, die aufzeigt, dass die Einkommen ihre sinkendeTendenz beibehalten. 41,7% der Bevölkerung erklärte, dass das Familieneinkommen zur Deckung der Bedürfnisse nicht genügt und es zusätzliche Quellen brauche (Darlehen von Verwandten – Freunden, Bankkredite, Verkauf von unbeweglichem Vermögen).
  • 40,2% der Haushalte, d.h. 1,4 Mio., haben in ihrer Familie mindestens eine arbeitslose Person. Von diesem Anteil erhält nur 9,8% Arbeitslosengeld (weniger als 200‘000). Mehr als 1 Mio. Bürger sind für die Folgen der Arbeitslosigkeit nicht versichert.
  • Im gesamten ist der Einkommens-Beitrag aus Gehältern, Sozialleistungen und Geschäftsgewinnen während der Krise senkrecht gesunken. In Wahrheit stellen die Renten für 48,6% der Haushalte die wichtigste Einnahmequelle dar, ein enttäuschendes Bild für die Produktionskraft, aber auch das soziale Schutzsystem des Landes (Bild 2).
Bild 2 – Haupteinnahmequelle




FINANZIELLE VERPFLICHTUNGEN DER HAUSHALTE (Punkt 6 bis 7)

  • Die Anhäufung der finanziellen Verpflichtungen der Haushalte geht im Jahr 2013 mit unverminderter Intensität weiter. 1 von 3 Haushalten befindet sich im Zahlungsrückstand gegenüber dem Staat, DEKO (Öffentliche Unternehmen und Organisationen), Banken, usw., aufgrund der Unmöglichkeit, diesen Verpflichtungen nachzukommen (34,8% der Haushalte verzögert die Bezahlung der Schulden, um die Situation zu bewältigen – Bild 3).
  • 44,3% der Bevölkerung hat Verpflichtungen gegenüber den Banken. 1 von 10 Haushalten mussten unbewegliches Vermögen verkaufen, um der Krise zu begegnen. Mit den neuesten Gesetzen bezüglich Besteuerung der Liegenschaften, die Pfändung der Bankeinlagen und die teilweise Aufhebung des Versteigerungsverbots werden erstickende Bedingungen für die Haushalte geschaffen.
Bild 3 – Verpflichtungen im Rückstand


65,2% rechtzeitige Bezahlung

34,8% verzögerte Bezahlung

ERWARTUNGEN - KONSUMVERHALTEN - LEBENSQUALITÄT (Punkt 8 bis 11)


  • für 41,7% der Haushalte sind Erwartungen bezüglich ihrer Möglichkeiten, grundlegende Verpflichtungen des nächsten Jahres zu decken (Bild 4) negativ. 44% glaubt, den Steuerverpflichtungen nicht nachkommen zu können. Es wird geschätzt, dass die zunehmende Arbeitslosigkeit, weitere Senkungen der Sozialleistungen und Steuerbefreiungen sowie die neuen Steuerbelastungen das Problem der Haushalte verschärfen und wahrscheinlich zu Abweichungen der Steuerziele führen.

Bild 4 – Erwartungen die Verpflichtungen zu decken im Jahr 2014

43,7% JA

41,7% NEIN

14,6% keine Antwort

  • Der Markt befindet sich weiterhin in einem längeren „Winterschlaf“, da 75,5% (von 70% der entsprechenden letztjährigen Einkommensstudie) der Haushalte den Ausverkauf abwartet, um Waren des Grundbedarfs zu kaufen. In der Tat sagt 73,2% der Bevölkerung aus - trotz der Deeskalation der Inflation -, dass während des letzten Jahres die Preise der von ihnen gekauften Waren erhöht wurden. Eine Tatsache, die aufzeigt, dass die Haushalte die grosse Reduktion des realen Einkommens als die entsprechenden Preise erhöhenden Parameter im Vergleich mit der Vergangenheit wahrnehmen.
  • Als dramatisch erscheinen die Einschränkungen im Konsum aufgrund der Einkommensschrumpfung – 63,7% der Haushalte hat die Ausgaben für Lebensmittel eingeschränkt, wobei 90,3% die Ausgaben für Bekleidung/Schuhe und ca. 90% die Besuche in Restaurants, Tavernen, Bars, Kinos eingeschränkt hat. Über 75% der Haushalte schränkte die Auslagen für Heizöl und Transport ein. Eine Tatsache, die mit der Beibehaltung der hohen und ineffizienten - hinsichtlich der Folgen - Besteuerung im Heizölverbrauch verbunden wird (Bild 5).

Bild 5 – Konsumverhalten der Haushalte (Reduktion der Auslagen)

  • Aus der Studie geht eine signifikante Verschlechterung der Lebensqualität hervor. 36,5% der Bevölkerung sagt aus, dass sie Produkte schlechterer Qualität kauft. Akut ist das Problem in den mehrköpfigen Familien (mehr als 5 Personen, was 44,7% entspricht) und den tiefen Einkommenskategorien. Ebenfalls betrifft der grosse Teil der nicht befriedigten Verpflichtungen (ca. 22%) Grundbedürfnisse der Haushalte (Wartung, Heizen, Wohnen usw.).
Bild 6 – Warenqualität in der Krise 


58,7% gleich
36,5% schlechtere
1,2% bessere
3,6% keine Antwort

SPEZIELLE THEMEN (12 bis 14)


I)                    Wohnen – Versteigerungen – Liegenschafensteuer

  • Aus der Studie geht der hohe Anteil an Eigentum unbeweglichen Vermögens der griechischen Haushalte hervor. 86,7% der Bevölkerung besitzt eine Liegenschaft.
  • 28,1% der Haushalte, die im Eigenheim leben, haben eine Hypothek. Das bedeutet, dass bei 1 Mio. Haushalte Schulden auf ihrer bewohnten Liegenschaft lasten, 168‘000 Haushalte (16,8%) ist mit ihren Verpflichtungen ständig im Rückstand und 220‘000 Haushalte (22%) zahlt diese zwar ab, jedoch mit häufigen Verzögerungen. Dies wird auch aufgrund der neuesten Angaben der Bank von Griechenland bestätigt, welche eine Erhöhung der nicht befriedigten Kredite von über 30% verzeichnet. Wenn wir auch die Geschäftskredite in Betracht ziehen, denen Sach-Sicherheiten zugrunde liegen (mit Vormerkungen persönlichen Vermögens), dann wird das Problem akuter.
  • 1 von 3 Haushalten hat Angst, ihr Heim zu verlieren, sowohl aufgrund der angesammelten Verpflichtungen als auch der zusätzlichen Belastungen (Kredite, Steuern u.a.). Diese Unsicherheit schafft einen Teufelskreislauf von Desinvestitionen und den Zusammenbruch der Liegenschaftenwerte, wobei er sich auch auf die erwarteten Werte auswirkt.
Bild 7 – Index der Besorgnis bezüglich Liegenschaftenverlusts


64,6% nicht besorgt

32,3% besorgt

3,1% keine Antwort
  •  Dieses Jahr wurden mehr als 45% der Haushalte geladen, mehr als 500  Euro an Liegenschaftensteuern zu bezahlen (Bild 8). Wenn wir die Überbesteuerung des Einkommens und die hohe Reduktion des Einkommens mitberechnen, folgt daraus, dass 1 von 2 Haushalten mit einer Steuer auf dem Liegenschaftenbesitz von mindestens einem Gehalt belastet wurde, das offensichtlich der realen Wirtschaft entzogen wurde.
Bild 8 – Belastete Liegenschaftensteuer im Jahr 2013


I)                    Gesundheit – Versicherungsdeckung

  • Aufgrund der Studiendaten aller Nutzer der Gesundheitsdienstleistungen im Jahr 2013, nutzten 2 von 3 die vorhandenen öffentlichen Gesundheitseinrichtungen für ihre Gesundheitsversorgung (ESY und EOPYY).
  • Positiv ist das Fortbestehen des Vertrauens der Haushalte in das öffentliche Gesundheitssystem, da 55,8% mehr Vertrauen in die öffentlichen Spitäler zur Bewältigung eines ernsten Gesundheitsproblems zeigen würde gegenüber 34,2%, die eine Privatklinik bevorzugen würden (Bild 9). Die verfolgte Gesundheitspolitik sollte diese Tatsache berücksichtigen, da es wahrscheinlich sein könnte, dass die Nutzer öffentlicher Gesundheitsdienstleistungen ihre Präferenzen ändern könnten, wenn sich die administrative und politische Situation in den öffentlichen Spitälern nicht stabilisiert.
Bild 9 – Vertrauen in das öffentlichen Gesundheitssystem 


55,8% öffentl. Gesundheitssystem

34,2% privates Versicherungssystem

10,0% keine Antwort

SCHLUSSFOLGERUNGEN


Aufgrund der Resultate der Einkommensstudie 2013 der GSEVEE ergibt sich eindeutig eine herabgestufte Tendenz des Konsumverhaltens, des Lebensniveaus und der –qualität der Haushalte, und gleichzeitig wird die gestiegene Unsicherheit der Haushalte, ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen, aber auch ihr Vermögen beibehalten zu können, hervorgehoben. 

Ein weiteres Mal wird die Stellung des GSEVEE bezüglich den Folgen der harten restriktiven Politik und der Prozesse der angewandten inländischen Abwertung und den hervorgerufenen Domino-Effekt in der Produktion, im Konsum, der Geschäftstätigkeit und Beschäftigung, bestätigt. Und zwar werden die neuesten Regelungen im Liegenschaftenmarkt das Investitionsprofil des öffentlichen Vermögens zusätzlich belasten und sich auf die durch die Privatisierungen regenerierten Einnahmen negativ auswirken. 


Die Daten spiegeln auf die deutlichste Weise wider, dass die griechischen Haushalte nicht nur mit grossen Schwierigkeiten konfrontiert sind, aber auch dass sie zusäztlichen Belastungen nicht standhalten können. Die gesetzliche Regelung zur teilweisen Aufhebung des Versteigerungsverbots, die Liegenschaftensteuern und die Pfändungen der Bankeinlagen haben die Welle der Unsicherheit genährt, die wiederum erneut die Rezesssion, die Vermeidung von Risiken und Investitionsentscheidungen nährt, wobei auf diese Weise das höchste Niveau der Arbeitslosigkeit bewahrt wird. 

Heute ist die Förderung der Wirtschaftspolitik, welche die Wirtschaft und die Einkommen der Haushalte belebt, unerlässlicher als je zuvor, wie die Finanzierung von verschiedenen Aktionen der Klein- und Mittelunternehmen und die politische Unterstützung der Ersatznachfrage, die heute durch die Importe gedeckt wird. Die Steuergerechtigkeit, die Senkung der Arbeitslosigkeit und die daraus folgende Lockerung der wirtschaftlichen Unsicherheit müssen die ersten Prioritäten der Wirtschaftspolitik darstellen, nach einer langen, strengen und ineffizienten Austerität und die Funktionsbegrenzung der wirtschaftlichen Institutionen. 

Quelle: imegsevee.gr

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